Dienstag, September 19, 2006

Smarte Nike

Nachdem ich mich schon als Videotext-Leser oute, ist es mir wichtig auch ein zweites dunkles Kapitel in meinen Lesegewohnheiten zu offenbaren. Ab und an, wenn der Titel mich anspricht oder der Kicker bereits vergriffen ist, kaufe ich mir das intellektuellen Fussball-Magazin 11Freunde. Besonders peinlich, da mittlerweile einer der Redakteure in der DSF-Viererkette-Doppelpass Abklatschvariante Dropkick06 bei eurosport ein gern gesehener Experte ist. Allein bei dem Gedanken läuft mir immer wieder ein kalter Schauer den Rücken runter. Wäre aber wirklich alles so schlecht wie ich es gerade darstelle, bliebe die Frage, warum ich es überhaupt kaufe. Habe ich einen visuellen Fussballfetisch? Ein übles Überbleibsel aus meiner doch zu lang geratenen Studienzeit? Ein suizidales Selbstverlangen nach Selbstqual? Nein, es ist ab und an ganz einfach witzig - und gut. Denn wo sonst gäbe es so schöne, tiefsinnige, den kompletten Fussballsachverstand fordernde Werbung zu sehen?


Rooney ist schon ein ganz Besonderer. Gut, ein Faible für Nachtclubs und Schlägereien, aber das muss in der geleckten Medienfussballwelt à la Becks (sog. Spieler nicht das Bier) kein Nachteil sein. Mir stellt sich nämlich die Frage, ob Hansa Rostock, Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach ähnliche Probleme mit ihren "Fans" hätten, wenn es mehr Typen wie Rooney gäbe. Denn auch die übelsten Fussballdumpfnasen haben tendenziell eher den Drang zu überleben. Da würde es sich der ein oder die andere sicherlich zweimal überlegen einen Mitspieler von Rooney zu beleidigen. Durch den Rassismus back to the roots - sozusagen.


Wer die obenstehende Werbung immer noch nicht verstanden hat, Thaden, hier gibt es Abhilfe.

11 Kommentare:

daniel hat gesagt…

ich versteh die werbung immer noch nicht, aber sei es wie es sei; der typ von den 11 freunden ist nicht nur im eurosportdoppelpassabklatsch zu gast, sondern auch im dsfdoppelpassoriginal. allerdings ist es halt wie es auch bei den 11 freunden ist, auf intellektuell machen, aber am ende dann eben altbekanntes nur etwas kunstvoller präsentieren; naja, ist halt fußball; selbst theweleit hat ja nur ressentiments gegen den fc bayern münchen am start und keine wirklich originellen argumente; deutscher fußball und intellektualität werden wohl nie zusammen gehen.

aber deshalb ist man ja auch fan vom fc barcelona oder fc liverpool oder so, also vereinen, die wenigstens mindeststandards einhalten (siehe liza's welt)

Julius Firefly hat gesagt…

Sich als 11Freunde-Leser zu outen ist halb so wild. Kicker hingegen: das ist peinlich. Ich mein' ja nur.

frank-rock hat gesagt…

Hmm, also mehr erklären geht kaum. Vielleicht mal das Foto grösser angucken?

Zum Glück ist Liza nicht Liverpool sondern Gunners-Fan. Aber eben leider auch FC Bayern Anhängerin. Das reisst dann auch Ajax nicht wieder raus. Und schon gar nicht Bixente. Sehr witzig sind allerdings die Leute von Rijkaard-Jugend. Teile von denen habe ich dieses Jahr auf einem Fanturnier in FFM kennengelernt. Wenn ich mich recht entsinne haben sie gegen die rekordgewinnenden Unsympathen von Giessen Asozial gewonnen. Kann aber auch sein, dass sie haushochverloren haben. Der Alkohool in mir...

frank-rock hat gesagt…

Sorry, aber ich lese lieber kicker online als -wie ihr- jW, spiegel, etc pp usw usf.

daniel hat gesagt…

hmm, ok, bei liza gab's mal was über die doch anständige anzahl jüdicher mitglieder und so, deswegen dachte ich, daß... war aber wohl ein verdenker.
es gibt echt ein paar antideutsche, die bayern toll finden, das beste (spaß)argumente nicht gegen byern zu sein, hab ich am wochenende aus zweiter hand gehört; nämlich, daß bayernfeindschaft antisemitisch sei, da über den antimetischen antikapitalistischen Reflex vermittelt, saustark, konnte ich echt gut drüber lachen :D

daniel hat gesagt…

bei rooney hab ich jetzt so'ne idee...

frank-rock hat gesagt…

Der FC Bayern war traditionell tatsächlich ähnlich wie TeBe Berlin eher mit Menschen jüdischen Glaubens verbunden. Allerdings ist das ganz im Gegensatzu Ajax für die Bayern Funktionäre eher ein Thema zum Todschweigen. 1860 hingegen war auch vor Wildmoser schon durch und durch konservativ und auch schon "damals" relativ schnell linientreu. Ich bin gerade nicht zu Hause, habe aber ein nettes Buch dazu in dem ich bei Interesse nochmals genauer nachlesen kann. Daher wäre die Sympathie der Antideutschen zu den Bayern (zumindest meines bescheidenen Wissens nach) weniger mit Kapital oder Erfolg, sondern schlicht und einfach mit Tradition & Herkunft zu begründen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht all zu sehr trübt (und das tut es gelegentlich bei Sachen, die ich vor zig Jahren das letzte Mal las) ist im deutschem Zusammenhang aber gerade der von mir so gehasste Lüdenscheider Vorortverein das absolute Positivbeispiel.

daniel hat gesagt…

Arminia Bielefeld?

Interessiert mich auf jeden Fall, was Du da noch an Informationen ausbuddeln kannst.

Das Argument war eher eine augenzwinkernde Rechtfertigung eines antideutschen Bayernfans, aber wie gesagt auch nur aus zweiter Hand.

frank-rock hat gesagt…

Borussia Dortmund.

Das Buch finde ich leider gerade nicht. Schade eigentlich, denn sehr spannend, aber wie so oft hilft für den Anfang google.

frank-rock hat gesagt…

Das hier ist natürlich der richtige
link.

daniel hat gesagt…

danke!

heute hat 1860 ja eher den Underdog-Ruf...
paßt alles gut ins Bild, die Großmannssucht der Wildmosers etc.

haste einen groben Titel von dem Buch dann such ich mal ob ich's irgendwo auftreiben kann.